Die Crowd ist in aller Munde. Ob Crowdfunding, Crowdsourcing, Crowdworking oder “taking advantage of the wisdom of the crowd” – im Prinzip geht es bei der Crowd immer um eine kollaborative und interaktive Form der Zusammenarbeit, die auf der Teilhabe von Mitmenschen auf Basis des Web 2.0 basiert. Angelehnt an das Prinzip des Outsourcing, bezeichnet es in abgewandelter Form die Übergabe und Auslagerung unternehmensinterner Teilaufgaben an Nutzer des World Wide Web. Taugt das Konzept auch für die Personalauswahl?

Die Kollektive Intelligenz

Unbestritten ist es unheimlich populär geworden, der Crowd zu vertrauen. Dies gilt für unternehmerische Entscheidungen, wie den privaten Bereich gleichermaßen. Sobald es darum geht, kreativ zu sein oder eine bahnbrechende Idee zu kriegen, ist die Crowd immer präsent. Zudem ist es heute normal jederzeit und überall online erreichbar zu sein. Mobile Endgeräte wie Notebooks,Tablets oder Smartphones ermöglichen uns den permanenten Zugang in das World Wide Web. Wir können jeden Tag, an jedem Ort und zu jeder Zeit mit unseren Mitmenschen kommunizieren.

Das Internet vernetzt jedoch nicht nur Menschen im Bezug auf Kommunikation, es vernetzt gleichzeitig unsere Intelligenz zu einer Art Informationsinfrastruktur. Wir reden mittlerweile nicht nur miteinander über das Internet, wir arbeiten, wir tauschen Meinungen aus, helfen einander und unterstützen andere bei ihrer Arbeit. Alles Mobil. Alles über das Netz. Individuelle Nutzer schließen sich quasi zu einem Superorganismus zusammen. Der größte Vorteil daran ist, dass physische Distanz keine Rolle mehr spielt. Jeder Mensch kann von überall auf der ganzen Welt seinen Beitrag zu so ziemlich allem leisten. Jeder kann seine Meinung abgeben. Und insbesondere: Jeder kann überall dabei sein.

Eine moderne Form der Arbeitsteilung

Unsere Bequemlichkeit und unser Drang nach Effizienz führt uns zu dem Trend des Homeoffice. Jeden Tag zur Arbeit zu fahren, ist schon lange kein Muss mehr. Ganz im Gegenteil. Ettliche Jobangebote sind im Internet zu finden, die damit werben, dass man ganz einfach und ganz bequem von Zuhause aus arbeiten kann.

Selbst Microsoft hat diesen erst ungewöhnlichen Ansatz aufgegriffen und ein Experiment gewagt: Da der Hauptsitz in der Schweiz umgebaut wird, zogen 400 Mitarbeiter für zwei Monate ins Homeoffice. Die Marketingfloskel wird bei ihnen zur Philosophie. Der Gedanke, selbst zu entscheiden, wann man anfangen möchte zu arbeiten, findet wahrscheinlich jeder ganz angenehm. Man könnte hier von einer Win-Win Situation reden: Unternehmen, die diese Jobangebote liefern, ermöglichen Menschen nicht nur das Arbeiten von zu Hause sondern entlasten ihre Organisation durch das Teilen ihrer Aufgaben. So bieten sie beispielsweise die Möglichkeit aktiv an kreativen und innovativen Projekten mitzuwirken. Dabei ist es nicht wichtig, wo man sich befindet. Es ist absolut irrelevant, ob man in einer anderen Stadt, in einem anderen Land oder auf einem anderen Kontinent lebt. Alles was man braucht ist ein Endgerät und eine Internetverbindung.

Neue Chance für das Recruiting?

Unternehmen haben sich schon immer den zeitgenössischen Trends angepasst und dazu gehört, wie oben beschrieben, beispielsweise die Arbeitsteilung für mehr Effizienz und niedrigere Kosten. Aber was wäre, wenn man das Prinzip des Crowdsourcing auch auf das Recruiting übertragen könnte? Immerhin geht auch der Trend im Recruiting in eine ganz andere Richtung. Früher ging es insbesondere darum, die Qualifikation und Leistung an Noten abzulesen. Alles was zählte, waren Präferenzen –  die kulturelle Passung war in diesem Kontext eher ein Fremdwort. Heute, im Zeitalter der Startups und der wachsenden jungen Unternehmen, rücken diese Eigenschaften in den Vordergrund und in ein ganz neues Licht. Nach einer langen und mühseligen Entscheidungsphase stellt man nun einen Bewerber ein – aber war dies letztendlich auch die richtige Entscheidung?

Das Risiko, dass sich der Bewerber schließlich als falsche Entscheidung entpuppt, besteht immer. Wenn die fachliche Eignung eines Kandidaten zwar stimmt, dieser sich aber nicht mit den Vorstellungen und Philosophien eines Unternehmens identifizieren kann, scheitert es irgendwann an fehlender Eigenmotivation. Die Identifikation mit der Kultur des Unternehmens und die damit einhergehende effizientere und durchaus leistungsstärkere Arbeitsweise, eröffnen Recruitern neue Probleme. Crowd Evaluation könnte eine Lösung sein.

Und wie übertragt man das Prinzip der Crowd Evaluation nun auf das Recruiting?

Das Prinzip ist ziemlich einfach. Eine heterogene Masse von individuellen Mitarbeitern unterstützt die Organisation bei – in diesem Fall – Entscheidungen bezüglich der Bewerber. Durch das Einbeziehen mehrerer Perspektiven und Ansichten auf den Kandidaten ist das Urteil letztendlich nicht nur objektiver sondern der Fit zum Unternehmen kann um einiges besser eingeschätzt werden. Somit sind die Personalabteilungen nicht allein mit der Entscheidung, einen Bewerber auszuwählen, der sowohl qualifiziert ist, als auch in die Unternehmenskultur passt. Der Cultural Fit ist heutzutage ein enorm wichtiger Indikator effizienter, motivierter und leistungsstarker Arbeit im Unternehmen. Mit der Wichtigkeit der Anpassungsfähigkeit zur Kultur ergeben sich weitere Schwierigkeiten und Herausforderungen im Recruiting, denn gute Personalauswahl und die richtige und objektive Eignungseinschätzung fällt allein immer schwerer.

Crowd Evaluation könnte die Lösung sein. Es ist schon länger bewiesen, dass Panel Interviews – also Interviews mit mehreren Beobachtern oder Interviewern – durchaus eine objektivere und bessere Möglichkeit bieten, die Bewerber nach dem Cultural Fit zu bewerten. (Hier gibt es beispielsweise eine Studie von Huffcutt et al., die dies gezeigt hat.)

Entscheider aus mehreren oder unterschiedlichen Bereichen können den Fit zum Unternehmen besser einschätzen als Personalabteilungen allein, da diese eine differenziertere Sicht auf das Team oder die Abteilungen haben. Zumal der Begriff Kultur ein sehr schwer definierbarer Begriff ist, ist die differenzierte Einschätzung des Bewerbers zum unternehmerischen Gut geworden. Wenn mehrere, individuell denkende und bewertende Personen die Möglichkeit haben, einen Bewerber auf die Überschneidung der Werte mit denen der Unternehmenskultur zu prüfen, ist die Wahrscheinlichkeit umso höher, die richtige Entscheidung zu treffen.

Crowd Evaluation hat sehr viel Potenzial, wie man den oben aufgeführten Argumenten entnehmen kann. Mit der interview suite ist es schon heute prinzipiell möglich, den Bewerber objektiv und in einem geschützten Rahmen auf den Cultural Fit zu prüfen.