Kleiner Exkurs ins Recruiting via soziale Medien… Pünktlich zum Jahresende gibt es eine aktuelle Studie, den so genannten Kelly Global Workforce Index, über die Nutzung von Social Media für die Personalgewinnung. Aber lassen wir die Macher der Studie in diesem Gastbeitrag selbst zu Wort kommen.

Hier und da besteht noch Nachholbedarf und einige Traditionalisten müssen noch überzeugt werden, aber im Großen und Ganzen ist die Verwendung sozialer Medien bei der Mitarbeitergewinnung zur Standardtechnik geworden.

Ein neuer Aspekt mag dagegen sein, dass die Arbeitgeber den Arbeitnehmern hier deutlich voraus sind: Während bereits 55% der Befragten Stellenangebote über soziale Medien erhalten haben, suchen nur 27% selbst nach Jobs über Social Media und nur 9% haben ihren aktuellen Job aufgrund eines Angebots über soziale Medien gefunden. Das sind einige der überraschenden Ergebnisse des Kelly Global Workforce Index (KGWI), der jährlichen Studie zu Ansichten und Meinungen auf dem weltweiten Arbeitsmarkt von Kelly Services.

Weiterhin überrascht es, dass sich die Ansprache über soziale Medien nicht auf die jüngeren Generationen beschränkt, sondern sich fast gleichmäßig verteilt: Am häufigsten werden Angehörige der Generation X (Jahrgänge von etwa 1960 bis 1980) wegen möglicher Stellen per Social Media kontaktiert. Die jüngere Generation, Gen Y (ab 1980) und die älteren Baby Boomers (etwa 1950 bis 1960) werden etwa gleich häufig angesprochen.

Kontakt ueber Social Media wg Job

Dahingegen bevorzugen nur 27 % der Deutschen soziale Medien und Netzwerke für die Jobsuche. Der Unterschied zwischen den Digital Natives und der Nachkriegsgeneration ist erstaunlich gering.

Jobsuche ueber ueber Social Media nach Gen

Im internationalen Vergleich liegt Deutschland damit im hinteren Bereich. Vorreiter sind bei der Stellensuche über soziale Medien die APAC-Länder:

Jobsuche ueber Social Media nach Land

Noch düsterer sieht es bei der tatsächlichen Besetzung von Stellen über Social Media aus. Nur 9% der Befragten haben ihren derzeitigen Job durch ein Angebot über soziale Netze gefunden. Hier hinkt die Generation Y den beiden anderen noch hinterher:

Jobsuche ueber Social Media nach Generation

Auch wenn die sozialen Medien für die eigene Stellensuche noch keine übergeordnete Rolle spielen, hält sie doch fast die Hälfte der Teilnehmer (47%) für eine gute Methode, Freunde und Kollegen auf Stellen aufmerksam zu machen. Und sogar noch mehr (51%) wollen selber gerne solche Empfehlungen erhalten.

Nicht ganz so hoch ist die Nutzung von sozialen Medien bei Karriereentscheidungen. 40 Prozent der Befragten tauschen sich mit ihrem Netzwerk aus, wenn sie Informationen und Meinungen zu potenziellen Arbeitgebern oder konkreten Positionen suchen. Ebenso viele treffen Entscheidungen in Karriere- und Berufsfragen jedoch nach wie vor allein.

Die private Nutzung von elektronischen Geräten wie Computer/Laptop, Tablet oder Smartphone am Arbeitsplatz spielt im Vergleich zum Rest der Welt für die Deutschen keine entscheidende Rolle. 37 Prozent halten es für wichtig, die vom Arbeitgeber bereitgestellten Geräte auch für persönliche Zwecke zu nutzen (weltweit 61 %) und nur für 25 Prozent ist es von Bedeutung, die privaten Geräte während der Arbeitszeit nutzen zu können (weltweit 38 %). Gerade einmal 17 Prozent würden ihre Entscheidung für oder gegen eine Stelle davon abhängig machen, ob der neue Arbeitgeber die private Nutzung der von ihm bereitgestellten Geräte erlaubt (weltweit 37 %).

persoenliche Nutzung beruflicher Geraete

Soziale Medien wie Facebook, Twitter und XING haben die Art und Weise, wie wir miteinander kommunizieren, wie wir recherchieren und uns vernetzen, drastisch verändert. Es war nur eine Frage der Zeit, bis dieser Wandel einen kommunikationsintensiven, auf Beziehungen beruhenden Bereich wie die Personalbeschaffung erreicht. Nicht nur, dass Jobs und Unternehmen für Bewerber zugänglicher geworden sind. Talente sind für Personalverantwortliche ebenso leicht zu finden und können über Business-Netzwerke oder andere soziale Kanäle direkt angesprochen werden. Dabei ist der Wettbewerb um die besten Mitarbeiter massiv und verschärft sich in Zukunft sicher noch.

Unter den veränderten Bedingungen, die ein Bewerbermarkt mit sich bringt, müssen wir als Personaler alle uns zur Verfügung stehenden Mittel nutzen, um Mitarbeiter zu rekrutieren. Das bedeutet aber auch, dass die Frage, OB man Talente über soziale Medien ansprechen soll oder nicht endgültig der Frage gewichen ist, WIE man die gesuchten Fachkräfte über diese neuen Kanäle anspricht und für sich gewinnt.“