Soziale Medien wie Facebook sind für Studierende mittlerweile ein Teil des Alltags geworden. Daher liegt es nahe, soziale Medien auch bei der Rekrutierung von Hochschulabsolventen zu verwenden – mehr und mehr Firmen richten Facebook Karriereseiten ein. Welche Rolle spielen Facebook Karriereseiten und andere soziale Medien für Studierende und Hochschulabsolventen: Sind Sie ausschlaggebend für eine Bewerbung? Beeinflussen sie die Einstellung potenzieller Bewerber zum Unternehmen? Und wenn ja, wie sehr? Wie wichtig ist dann noch die Karriere-Webseite des Unternehmens?

Diese Fragen zum Social Media Recruiting haben Psychologiestudierende der Universität Tübingen zusammen mit Medienpsychologen des Leibniz-Instituts für Wissensmedien unter Leitung von Prof. Dr. Sonja Utz und Susanne Kastka untersucht und sind dabei auf interessante Ergebnisse gestoßen:

  1. Facebook & Co. werden für die Bewerbungsvorbereitung kaum genutzt
  2. Karriere-Webseiten sind wichtiger fürs Employer Branding als Facebook
  3. Karriere-Webseiten fördern die Bereitschaft, sich zu bewerben

Dieser Artikel beschäftigt sich mit Ergebnis Nr.1.

Im nächsten Beitrag nehmen wir dann die anderen beiden Studienergebnisse unter die Lupe.

Soziale Medien werden zur Bewerbungsvorbereitung kaum genutzt

An einer ersten Onlinestudie nahmen 305 Personen (78% Frauen) teil. Die größte Gruppe stellten Studierende mit 55%, gefolgt von Selbstständigen (20%) und Angestellten mit 13% (Durchschnittsalter 25). Die Kernergebnisse lassen sich wie folgt beschreiben:

2015-05-Facebook-nützlich-Bewerbung

Key Findings der Studie:

1. Obwohl Facebook täglich genutzt wird und sich die Studierenden auf Facebook und YouTube gut zurecht finden, werden diese Medien nicht als nützlich für die Bewerbungsvorbereitung gesehen

2. Die Befragten haben kaum Erfahrung mit Xing und Twitter

3. Das Arbeitgeberbewertungsportal kununu ist nur einem Drittel der Befragten bekannt

Konsequenterweise sagen dann auch knapp 56%, dass soziale Medien keinen Einfluss auf Ihre Bewerbungsvorbereitung haben.

PRO Soziale Medien: Einblick in die Unternehmenskultur und schneller Kontakt positiv bewertet

Dennoch sehen die Befragten auch Vorteile in sozialen Medien:

  • schneller und unkomplizierter Kontakt
  • die Chance, einen Eindruck von der Unternehmens- und Kommunikationskultur zu gewinnen
  • Bewertungen des Arbeitgebers einsehen

Diese Faktoren beeinflussen auch die Wahrscheinlichkeit, soziale Medien bei der nächsten Bewerbung stärker zu nutzen. Mehr über die Mitarbeiter zu erfahren, spielt dabei jedoch keine Rolle.

CONTRA Soziale Medien: Mangelnde Seriosität und Sorgen um Privatsphäre
  • offizielle Unternehmenswebsites werden für glaubwürdiger als Facebook Karriere-Seiten gehalten
  • mangelnde Seriosität von Facebook
  • Webseiten werden auch als übersichtlicher wahrgenommen als Facebook
  • Wunsch nach Trennung zwischen privatem und beruflichem Kontext
  • Sorge um Privatsphäre

Facebook, YouTube und andere soziale Medien werden zwar relativ häufig privat genutzt, allerdings wenig für Bewerbungsvorbereitungen. Demzufolge stellt sich die Frage, inwieweit Sociala Media Recruiting heute wirklich relevant ist, in welchem Medium Unternehmen ihre karrierebezogenen Informationen bündeln sollten und welche Rolle Karriere-Webseiten dabei spielen. Die Studienergebnisse dazu werden wir im nächsten Beitrag zeigen!

Mit Dank an die Studierenden: Daniela Bauer, Petra Barth, Simone Berner, Lisa Marieke Binder, Elena Boysen, Jana Denkinger, Lisa Nassif, Moritz Maier, Katharina Naumann, Nadine Patrofsky, Carmen Stolze, Adina Wider, Zoi Xenoudaki.