Sachbearbeiter und Bereichsleiter bevölkerten einst die Büros in den Hauptverwaltungen dieser Republik. An der Pforte saß der Pförtner und am Empfang saß die Empfangsdame. Das Essen bereiteten Köche zu und die Teller spülten hinterher Tellerwäscher ab. Die Suche nach einer passenden Stelle gestaltete sich beim Blick in die Tageszeitung dementsprechend einfach. Der Hausmeister suchte nach einer vakanten Hausmeisterstelle. Doch die Welt wurde zunehmend globalisierter, denglischer und komplizierter.

Neue Aufgaben erfordern neue Berufsgruppen. Um auf jeden grenzdebilen Post zu antworten, gibt es daher längst die Social Media Manager. Doch auch traditionelle Berufsgruppen haben längst nachgerüstet: So werden die Headquarters ausschließlich von Managern, Vice Presidents und Consultants bewohnt, am Eingang warten First Impression Manager, das Essen bereitet ein Sandwich Artist zu, bevor sich der Underwater Ceramic Technician um die after sales activities kümmert.≈Was hinten auf dem Müll landet, darum kümmert sich der Environmental Maintenance Officer. Wer eine Frage zur Reisekostenabrechnung hat, ist in der Personalabteilung leider völlig falsch. Da kümmern sich nur noch HR Business Partner um die strategisch wichtigen Dinge: Wer bekommt welchen Job Titel?

Bullshit Job Title – Warum eigentlich?

Nachdem endlich das Geheimnis gelüftet wurde, warum der Eiffelturm kleiner aussieht, wenn man sich nach links lehnt (siehe IG Nobelpreis 2012), hat sich die Wissenschaft endlich auch auf die Spurensuche der Jobtitel Hyperinflation gemacht (Martinz et al., 2008). Drei Hypothesen zu den Ich-bin-wichtig-Titeln:

  1. Die selbsterfüllende Prophezeiung: Wird ein Mitarbeiter zum Manager „upgegraded“ verhält er sich hoffentlich auch irgendwann wie einer.
  2. Das Kooperationsprinzip: Bekommt ein Mitarbeiter einen gepimpten Titel ,inklusive DIN A1 ausklappbarer Visitenkarte, dann zahlt der diesen Ausdruck der Wertschätzung durch eine höhere Arbeitsleistung zurück (spart auch Personalkosten, wenn nur der Titel und nicht das Salär inflationiert wird).
  3. Selbst- und Fremdtäuschung: Der Grundgedanke von Titeln, eine ungefähre Auskunft über Stellung, Qualifikation und Verantwortungsbereich zu geben wird durch die Inflationierung natürlich ad Absurdum geführt, allerdings gefallen sich Mitarbeiter und Kunden in der Täuschung. Der Kunden fühlt sich von einer qualifizierten Fachkraft betreut und beraten, der Mitarbeiter kommt sich endlich richtig wichtig vor. Da stört es auch nicht, dass ein Direktor keinen Bereich leitet, sondern der Bereich ist und der Vice President zwar direkt nach dem President im Organigramm steht, damit jedoch immer noch die zweite von zwei Hierarchiestufen bildet. Gratulation.