Interview Insights von viasto: Ein kompletter Bewerbungsgespräch Leitfaden für das Job Interview mit einem Innovation Manager.

Was ist eigentlich Innovationsmanagement?

Innovationen gibt es schon seit Beginn der Menschheit. Das Berufsbild des Innovation Managers / der Innovation Managerin kann allerdings noch auf keine lange Geschichte zurückblicken. Lange Zeit herrschte die Annahme, dass Innovationen eher zufällig durch die Daniel Düsentriebs dieser Welt entstehen. Irgendeine dafür begabte Person hat plötzlich eine Idee und auf wundersame Weise kommt dann Eins zum Anderen. Diese Ansicht ist allerdings mittlerweile überholt und auch die Forschung zeigt, dass Innovationen weniger Zufallsgeschenke sind, sondern vielmehr mit den richtigen Kompetenzen, Eigenschaften und Rahmenbedingungen zusammenhängen. Da Innovationsfähigkeit zu dem Erfolgsfaktor für Unternehmen geworden ist, entstand das Berufsbild des Innovation Managements.

Was macht ein Innovation Manager?

Innovation Manager gestalten Rahmenbedingungen, durch die im gesamten Unternehmen Ideen entstehen und vor allem auch zu fruchtbaren Innovationen weiterentwickelt und umgesetzt werden. Sie innovieren selbst und erkennen gleichzeitig die besten Ideen anderer und treiben diese voran. Sie sind interdisziplinäre Projektmanager, die erfolgreich Kreativität, Wirtschaftlichkeit und Technik unter einen Hut bringen.

Wie erkennt man in der Personalauswahl einen guten Innovation Manager?

Vielen Recruitern fällt genau das aufgrund der fehlenden Erfahrung mit dem vergleichsweise neuen Berufsbild noch eher schwer. Es gibt aber zugrundeliegende Fähigkeiten und Eigenschaften, die eine Person für das Innovationsmanagement qualifizieren. Diese haben wir mit Recruiting Experten zusammengestellt und mit den passenden Interviewfragen zu folgendem Leitfaden für Vorstellungsgespräche mit Innovation Managern zusammengefasst.

Bewertungskriterium #1: Kreativität mit Verstand

Innovation Manager sollten auch selbst Ideen haben – logisch. Aber kreatives Denken und viele Ideen alleine reichen nicht. Es müssen die richtigen Ideen zur richtigen Zeit sein und vor allem müssen diese gekonnt in den Business Kontext gesetzt und systematisch ausgearbeitet werden. Sie suchen einen reflektierten Ideenmanager, der die richtigen Gedanken findet, bewertet und weiterentwickelt.

Interviewfrage #1:

“Was ist die beste Idee, die Sie jemals im Unternehmenskontext hatten?
Weshalb finden Sie die Idee so gut?”

  • Denkt die Bewerberin out-of-the-box?
  • Zeigt sie Gestaltungswillen und Innovationsdrang, das Leuchten in den Augen?
  • Liegt der Fokus einzig auf der Idee selbst oder wird auch der weitere Prozess des Ideenmanagements reflektiert?
  • Geht der Bewerber eigeninitiativ in die Bewertung der Idee aus Unternehmenssicht oder muss er darauf gestoßen werden?

Tipp! Achten Sie nicht nur auf das Potenzial der Idee, sondern auch das Ergebnis. Eine gute Innovation Managerin wird nicht nur begeistert von ihrer Idee berichten, sondern diese auch vor dem Hintergrund ihres Effekts für das Business bewerten können.

 

Bewertungskriterium #2: Kritischer Blick & analytische Fähigkeiten

Der Innovation Manager muss nicht allein alle Ideen für Innovationen entwickeln – ganz im Gegenteil. Aber es ist die Verantwortung des Innovation Managers, in den unterschiedlichen Business Units Handlungsbedarf und -potenzial für Neuerungen systematisch aufzudecken und zu bewerten. Er muss Zukunftsmanagement betreiben und hinterfragen, was heute ist. Durch kritisches Bewerten der im Unternehmen reifenden Ideen und durch die Identifikation von Trends, Chancen und Risiken in den Fachbereichen.

Interviewfrage #2:

“Stellen Sie sich vor, Sie hätten 10 Minuten Zeit, um unseren CEO im Gespräch dazu zu bewegen, unser Business-Modell nochmal zu überdenken. Wie würden Sie vorgehen?”

  • Hinterfragt der Kandidat den Status Quo systematisch und flexibel durch kluge Fragen aus unterschiedlichen Perspektiven?
  • Identifiziert die Kandidatin (schnell) die tatsächlichen Business Herausforderungen, ohne diese vorher schon zu kennen?
  • Ist der Bewerber selbstbewusst genug, um auch dem CEO “unbequeme” Fragen zu stellen?

Tipp! Machen Sie das Ganze als kleines Rollenspiel! Kritische Fragen stellen zu müssen, kann sehr unangenehm sein. Es ist aber gerade für den Innovation Manager fundamental wichtig. Die Bewerber sollten deshalb auch im Stress eine gewisse Souveränität ausstrahlen. Ein scheues Reh wird keine große Veränderungen vorantreiben können.

 

Bewertungskriterium #3: Weitsichtiges Business-Denken

Der Erfolg innovativer Ideen entscheidet sich in der Umsetzung und liegt leider nicht nur an der Qualität der Idee selbst. Wir alle wissen, dass leider auch die besten Ideen manchmal wieder in der Versenkung verschwinden. Es ist gehört eine Menge Durchhaltevermöge, das richtige Timing, die richtigen Verbündeten und kluges, strategisches Abwägen dazu. Patentrechte, (mangelnde) Nutzerakzeptanz oder Marktgegebenheiten wie Konkurrenz, können die beste Idee am Ende zunichte machen. Eine erfolgreiche Innovation Managerin muss deshalb ein gutes Verständnis dieser Einflüsse haben, um mit Weitsicht und unter Beteiligung der richtigen Stakeholder die Innovation Roadmap zu gestalten.

Interviewfrage #3:

“Was sind aus Ihrer Sicht weitgehend akzeptierte Grundannahmen in unserer Branche? Welche davon könnten in der Zukunft ihre Gültigkeit verlieren? Und welchen Einfluss würde das auf unser Unternehmen haben?”

  • Werden die zentralen Grundannahmen der Branche erkannt?
  • Identifiziert die Kandidatin die Knackpunkte, welchen Veränderungen unsere Branche gegenüber steht?
  • Zieht der Kandidat die richtigen Schlüsse für das Business aus den möglichen Veränderungen?

 

Bewertungskriterium #4: Agile Problemlösungskompetenz & Belastbarkeit

Innovation bedeutet Veränderung. Und Veränderung stößt immer auch auf Widerstand. Innovation Manager müssen diese Widerstände aktiv managen und als selbstverständlichen Teil ihrer Arbeit ansehen. Alteingesessene Unternehmensstrukturen lassen sich nicht einfach oder von heute auf morgen ändern. Zur erfolgreichen Implementierung von Innovation gehört eine starke Ergebnisorientierung, Durchhaltevermögen, Frustrationstoleranz und Überzeugungsstärke.

Interviewfrage #4:

“Bitte schildern Sie eine maßgebliche Veränderung, die Sie auch gegen Widerstände in ihrem letzten bzw. aktuellen Aufgabenbereich umsetzen mussten. Welche Rolle haben Sie dabei gespielt? Welches Ergebnis stand am Ende?”

  • Hat der Bewerber bereits große Veränderungsprozesse gemanaget (=maßgeblich)?
  • Ist die Reaktion auf Widerstand vorwärts gerichtet, lösungsorientiert und flexibel?
  • Problematisiert die Bewerberin die Widerstände oder sieht sie sie als Teil der Lösungsfindung?
  • Wird eine Lösung gefunden, die auch bis heute Bestand hat und “ihren Zweck erfüllt” oder macht der Kandidat zu viele Zugeständnisse, “um es allen Recht zu machen”

Tipp! “Embrace resistance”: Wer die Widerstände von Veränderungsprozessen als ganz normalen Teil der Aufgabe betrachtet, ist widerstandsfähiger und erzielt bessere Ergebnisse. Wenn der Kandidat zu oft von “Problemen” redet, oder Widerstände persönlich nimmt, sollten sie sehr vorsichtig sein!

 

Bewertungskriterium #5: Kommunikationsstärke & Planungsfähigkeit

Die Königsdisziplin des Innovation Management ist durch eine produktive Vorbildfunktion direkt zu einer innovativen Unternehmenskultur beizutragen. Das fordert zum Einen die Fähigkeit, unterschiedlichste Zielgruppen kommunikationsstark mitzureißen. Zum Anderen müssen Innovation Manager Organisationstalente sein und aktiv Prozesse und Strukturen gestalten, damit Ideen auch erfolgreich in Innovationen umgemünzt werden können.

Interviewfrage #5:

“Was sind aus Ihrer Erfahrung die wichtigsten Einflussfaktoren für ein Innovationsmanagement im Unternehmen, bei dem alle (oder vielleicht die Mehrheit der) Mitarbeiter mitziehen? Geben Sie hierfür bitte ein konkretes Beispiel, wie Sie dies in der Vergangenheit erfolgreich umgesetzt haben.”

  • Macht die Bewerberin im Interview Lust auf Veränderungen? Kann der Bewerber begeistern?
  • Kennt die Kandidatin die relevanten Stellschrauben für die interne Kommunikation von Veränderung und setzt sie planvoll aber dennoch flexibel um?
  • Ist sich der Kandidat über seine Vorbildfunktion für eine innovationsgetriebene Unternehmenskultur bewusst? – “Walk the Talk!”

Tipp! Achten Sie darauf, ob das von der Kandidatin gewählte Beispiel auf einer ähnlichen Komplexitätsebene ist (zeitlicher Umfang, Anzahl beteiligter Mitarbeiter bzw. direkter und indirekter Stakeholder, etc.) wie bei Ihnen im Unternehmen. Das ermöglicht die höchste Zuverlässigkeit in der Erfolgsvorhersage.

 

Download des Interviewleitfadens

Gefallen Ihnen die Interviewfragen? Dann verwenden Sie den Leitfaden direkt in Ihrem nächsten Vorstellungsgespräch mit einer Innovation Managerin! Sie können ganz einfach eine übersichtliche Version des vollständigen Leitfadens als PDF downloaden. Damit sind Sie optimal für das nächste Job Interview gerüstet.

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