Künstliche Intelligenz (KI) ist eines dieser Themen, zu dem jeder eine Meinung hat, aber kaum jemand eine Ahnung. Wie auch? Die Technologie gibt es – vor allem auf breit zugänglicher Ebene – noch nicht lange und nur wenige Menschen kommen damit (bewusst) in Kontakt. Dafür kennt jeder gewisse stereotypische KI-Anwendungen wie autonom fahrende Autos oder Horrorszenarien aus Hollywood, in denen sich intelligente Maschinen verselbstständigen. Der Umgang mit KI ist für viele aber noch Neuland. Dabei ist KI auch in HR längst keine Zukunftsmusik mehr. Aber was kann KI im Recruiting wirklich? Und wie kommt sie bei Bewerbern an?

viasto hat in Zusammenarbeit mit dem >unabhängigen Marktforschungsinstitut respondi mehr als 1.000 Bewerber zu ihrer Wahrnehmung von KI in der Personalauswahl befragt. Die Ergebnisse zeigen Verunsicherung unter Bewerbern. KI weckt Unbehagen, aber auch Interesse. Die Verwendung wird zunächst einmal abgelehnt, aber dann begrüßt – wenn man die KI richtig wählt und kommuniziert.

Bewerber fühlen sich abgehängt

Zu Beginn der Umfrage wurden die Bewerber zu ihren Erwartungen in Bezug auf künstliche Intelligenz in Auswahlprozessen befragt. Glauben sie überhaupt, dass KI im Recruiting kommt? Die Antwort ist mehr als deutlich: Fast jeder Befragte rechnet mit einer wachsenden Bedeutung von KI im Recruiting. Knapp 80% der Bewerber gehen davon aus, dass KI die Personalauswahl in Zukunft prägen wird. Allerdings fühlt sich kaum jemand bereit für den Einzug dieser neuen Technologien. Etwa zwei Drittel (66,5%) der Teilnehmer äußerten, dass sie sich eher schlecht (50.5%) oder sogar überhaupt nicht (16.1%) auf diese Veränderung vorbereitet fühlen. Viele Bewerber kommen also gefühlt bei dem Tempo der technischen Entwicklung nicht mehr mit. Diese Differenz ist aus HR-Sicht mindestens bedenklich. Es droht die Gefahr, dass sich Bewerber von Auswahlprozessen überfordert fühlen.

Künstliche Intelligenz weckt Skepsis – und Interesse

Die Teilnehmer der Studie wurden auch nach ihrer Meinung zu künstlicher Intelligenz in der Personalauswahl gefragt. Vor dem Hintergrund der bisher genannten Zahlen ist es dabei wenig überraschend, dass künstliche Intelligenz bei den Bewerbern zunächst nicht sonderlich gut wegkommt. Wieso sollte man etwas gut finden, das einen überfordert? So sind 47.3% der Bewerber skeptisch gegenüber dem Einsatz von KI in beruflichen Auswahlprozessen (17.5% äußerst skeptisch). Und lediglich ein Viertel (24,6%) der Befragten sieht für sich persönlich einen Mehrwert von KI in der Personalauswahl. Kein gutes Zeugnis für die Technologie der Zukunft.

Andererseits ist das nur die halbe Wahrheit. Den Skeptikern steht nämlich auch eine Gruppe von Befürwortern gegenüber. Zumindest 25.5% der Befragten sagen schon heute, dass sie einen Einsatz von künstlicher Intelligenz in Auswahlprozessen sinnvoll finden. Auch das Alter spielt eine Rolle. Wie bei vielen digitalen Themen kommt Kritik vor allem von den älteren Generationen: Bei den 60+ Jährigen ist fast jeder Dritte (31.6%) äußerst skeptisch gegenüber KI. Der Anteil sinkt jedoch mit den Altersgruppen konstant und fällt bei den 18-29 Jährigen auf unter 11%. Es scheint also Hoffnung zu geben. KI wird nicht unisono abgelehnt. Aber wie schafft man es, die Skeptiker für KI zu begeistern?

Klarer Nutzen überzeugt Bewerber von künstlicher Intelligenz

Die Studie zeigt auch Lösungen der unvorteilhaften Ausgangslage von künstlicher Intelligenz im Recruiting auf. Die skeptische Grundhaltung der Bewerber sitzt – glücklicherweise – nicht sehr tief. Sie kann effektiv aufgebrochen werden, indem man dem Bewerber den konkreten Sinn und Nutzen der Verwendung einer KI aufzeigt. So schätzen etwas mehr als zwei Drittel der Teilnehmer (66.7%) zum Beispiel intelligente Algorithmen zur Analyse des Online-Verhaltens positiv ein, wenn diese dabei helfen, einen zu ihren Fähigkeiten passenden Job zu finden. Bewerbern zwischen 18 und 29 Jahren befürworten dies sogar zu 78.3%.

Auch wenn eine künstliche Intelligenz dazu genutzt werden kann, dass man einen qualifizierten Kollegen oder Vorgesetzten bekommt, sprechen sich jeweils knapp zwei Drittel der Befragten für die Verwendung aus. Auch augenscheinlich intimere Anwendungsfelder einer KI werden durchaus positiv bewertet, wenn darin ein klarer Vorteil für die Bewerber sichtbar ist. Zum Beispiel haben 62.4% der Befragten nichts gegen eine Auswertung ihrer Persönlichkeit durch KI, wenn sie sich deshalb gut mit einem neuen Kollegen verstehen würden.
Es wird also deutlich: Bewerber spüren Unbehagen gegenüber einer ominösen Blackbox KI. Gegen Technologie mit klarem Sinn und Nutzen hingegen hat fast niemand etwas einzuwenden. Im Gegenteil, ein ersichtlicher Bewerbernutzen führt zu sehr guten Imagewerten von KI im Recruiting, wovon am Ende sogar die Arbeitgebermarke profitieren könnte.

Bewerber haben Aufklärungsbedarf

Die Erklärung für die Bewerber darf aber nicht erst mit dem Nutzen beginnen. Aktuell ist die gesamte Thematik “künstliche Intelligenz” noch zu undurchsichtig. Bewerber haben kein klares Bild davon, wie KI in der Personalauswahl aussehen kann und auf welchem Stand man dort ist. 39.6% der Befragten sind der Meinung, dass KI schon heute in irgendeiner Form in HR-Prozessen eingesetzt wird. Allerdings glauben nur 14.4% bei ihren Bewerbungen damit in Berührung gekommen zu sein. Diese Beobachtung zeigt sich auch in anderen Anwendungsfeldern von KI. Zum Vergleich: 80.7% der Teilnehmer glauben, dass KI in der Medizin bereits eingesetzt wird, aber nur 28.9% meinen, damit schon in Berührung gekommen zu sein.
Künstliche Intelligenz muss dem Bewerber näher gebracht werden, denn viele von ihnen können mit dem Begriff momentan wenig anfangen. Und ohne zu wissen, was dahinter steht, weckt der bloße Begriff zunächst einmal Unbehagen. Das gilt für KI im Allgemeinen, aber auch und gerade für KI im Rahmen von Recruitingprozessen. Wo der Mensch im Vordergrund steht, muss die Anwendung von KI nicht nur wohlüberlegt sein, sondern auch gut kommuniziert. Dann werden bestehende Bedenken schnell fallen und HR-Abteilungen können von den neuen Möglichkeiten durch KI in der Personalauswahl profitieren.

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Über die Studie
Die Digital Talent Studie zu Trendthemen der HR wird quartalsweise von viasto durchgeführt. Die bundesweite Erhebung geschieht durch das unabhängige Kölner Marktforschungsinstitut respondi. In dieser Ausgabe wurden 1.008 Bewerber zu ihrer Wahrnehmung von künstlicher Intelligenz in der Personalauswahl befragt. Die Befragten waren zwischen 18 und 69 Jahre alt. Alle von ihnen waren zum Zeitpunkt der Befragung Arbeitnehmer in Deutschland und haben in den vergangenen drei Jahren mindestens einen Bewerbungsprozess gänzlich durchlaufen. Der Befragungszeitraum lag im September 2018.

Über viasto
viasto ist der Markt- und Innovationsführer für Video-Recruiting Lösungen und arbeitet in Kooperation mit externen KI-Experten an der Entwicklung fundierter KI-Anwendungen für die Personalauswahl. Die viasto interview suite, eine webbasierte Software-as-a-Service (SaaS) Lösung, ermöglicht Unternehmen, mit Hilfe von kompetenzbasierten Videointerviews die gesamte Personalauswahl effizienter, flexibler und zuverlässiger zu gestalten. Das Unternehmen wurde 2010 gegründet und hat seinen Sitz in Berlin. Zu den Kunden viastos zählen u.a. die Deutsche Telekom, Bertelsmann, die Stadtverwaltung Essen, MAN, und die Würth Gruppe.

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