Jeder siebte Deutsche hat im letzten Jahr seinen Arbeitsplatz gewechselt. Ein nicht unwesentlicher Teil davon geht darauf zurück, dass Erwartungen von Bewerbern und das, was sie am Arbeitsplatz vorfinden, stark voneinander abweicht. Mit wenig Aufwand kann dies durch eine so genannte „realistische Tätigkeitsvorschau“ oder Realistic Job Preview verhindert werden.

Bekanntlich ist Personalauswahl kein unidirektionaler Prozess. Nicht nur Unternehmen wählen den Mitarbeiter aus, sondern auch Bewerber ihren Arbeitgeber. Dies beginnt bereits bei der Frage des Bewerbers: Wo bewerbe ich mich? Ein zentraler Punkt hierbei spielt die Frage, ob ein Arbeitgeber ihm Umfeld, Arbeitsklima und Tätigkeiten bieten kann, die seinen Interessen und Ansprüchen auch längerfristig genügen…

In der deutschen Arbeits- und Organisationspsychologie hat sich hierfür der etwas unschöne Begriff des Befriedigungspotenziales etabliert. Viel einfacher ausgedrückt fragen sich (potenzielle) Bewerber: Werde ich in dieser Stelle und in diesem Unternehmen glücklich?

Die Hay Group Studie

Einer Studie der Hay Group zufolge betrug die Fluktuationsrate in Deutschland zuletzt 14%. Andere Studien kommen zu ähnlichen Ergebnissen. Das heißt: Jeder siebte hat im letzten Jahr seinen Arbeitsplatz gewechselt. Sicher gibt es die unterschiedlichsten Gründe für Fluktuation. Ein sehr bedeutender davon: die Erwartungen der Bewerber sind mit der Realität gar nicht vereinbar. Neue Mitarbeiter sind enttäuscht, kündigen kurz nach Antritt und schaden in nicht wenigen Fällen der Reputation des Arbeitgebers, wenn sie ihre Erfahrungen teilen. Kosten, um die Stelle erneut zu besetzten kommen noch dazu.

Vieles davon lässt sich verhindern, indem in eine realistische Erwartungshaltung des Bewerbers investiert wird. Genau dies ist das Ziel einer realistischen Tätigkeitsvorschau.

Was ist eine realistische Tätigkeitsbeschreibung?

Unter einer realistischen Tätigkeitsvorschau handelt es sich um eine Technik, mit der praktisches Wissen über einen potentiellen Arbeitsplatz und -umgebung vermittelt werden soll. Ziel ist es, einem Interessenten Hilfestellung zu geben. Dieser soll besser beurteilen können, ob eine bestimmte Tätigkeit zu den eigenen Interessen und Erwartungen passt: Wie läuft ein typischer Arbeitstag ab? Welche Aufgaben sind vielleicht auch etwas anstrengender? Welchen zeitlichen Anteil haben die einzelnen Aufgabengebiete, usw…

Der Fokus liegt hierbei auf realistisch. Dies bedeutet, dass die Informationen ausgewogen sein sollten und auch negative Aspekte mit einfließen sollten. Beispiel: In einer beratenden Position ist sicher nicht alles rosig, vielmehr kann der Kundenkontakt auch fordernd sein. Dies ist zugegebenermaßen ein Balanceakt, da sich jeder Arbeitgeber gerne von seiner Schokoladenseite zeigt. Auf der anderen Seite führen zu rosige Darstellungen zu erhöhten Erwartungen und einer vermehrten Fluktuation.

Was ist KEINE realistische Tätigkeitsbeschreibung?

Rappende Praktikanten, die ins Feld geschickt werden, um zu beweisen wie hip, toll oder sonstwas es ist, für Unternehmen XY zu arbeiten.

In welcher Form sollte eine realistische Tätigkeitsbeschreibung präsentiert werden?

Für realistische Tätigkeitsbeschreibungen bieten sich ganz unterschiedliche Formate an. Video ist natürlich um einiges anschaulicher als eine chronologische Beschreibung eines typischen Arbeitstages. Video, Blogs, Interviews mit Stelleninhabern oder Hybridformate (z.B. die Kombination aus Blogs und Videos) können zum Einsatz kommen, genauso wie Rollenspiele und interaktive Formate, wie sie zum Beispiel Cyquest anbietet.

Auch in Auswahlverfahren lassen sich Elemente einer realistischen Tätigkeitsvorschau einbringen. Bei zeitversetzten Videointerviews mit der interview suite zum Beispiel nutzen viele Unternehmen die Möglichkeit, ein persönliches Begrüßungsvideo aufzunehmen, um sich und die Arbeitsumgebung vorzustellen. So bekommen Bewerber einen authentischen Eindruck.