21st Century Skills beschreiben die Fähigkeiten, die in der digitalisierten Arbeitswelt des 21. Jahrhunderts neue Bedeutung erlangt haben. Die Arbeitgeberperspektive auf den digitalen Wandel ist bereits bis ins letzte Detail diskutiert worden. In dieser Studie stellen wir aber die Arbeitnehmerseite in den Fokus und beleuchten Veränderungen bezüglichen erfolgsversprechender Kompetenzen und dem darauf angepassten Recruiting: Wie nehmen Arbeitnehmer Veränderungen im Arbeitsleben im Zuge der Digitalisierung wahr? Wie verorten sie sich und ihre Kompetenzen in einer digitalisierten Arbeitswelt? Und wie muss eine Personalauswahl aussehen, um die zukünftig wichtigsten Skills zuverlässig zu erfassen?

Zu diesem Zweck hat das unabhängige Marktforschungsunternehmen respondi im Auftrag von viasto über 1.000 Arbeitnehmer in Deutschland befragt, die alle Abitur oder einen universitären Abschluss haben.

Das Ende des Lebensberufes

Häufige Jobwechsel sind heutzutage nichts Außergewöhnliches. Aber denselben oder einen ähnlichen Job bei einem anderen Arbeitgeber auszuüben, reicht vielen Arbeitnehmern nicht mehr aus: Ganze 75% aller Befragten sind daran interessiert, einen Jobwechsel in ein neues Berufsfeld vorzunehmen. Man lernt heute nicht mehr einen Beruf und übt diesen dann vom Ende der Ausbildung oder des Studiums bis zum Renteneintritt aus – ganz im Gegenteil.

Digitalisierung bedeutet stetige Veränderung

Die Arbeitswelt wird dynamischer. Arbeitnehmer haben offensichtlich ein echtes Interesse daran, auch andere berufliche Erfahrungen zu machen als es vielleicht in einer klassischen Berufslaufbahn vorgesehen wäre. Was auf den ersten Blick als typisches Merkmal der rastlosen “Generation Me” abgestempelt werden könnte, entpuppt sich bei einem genaueren Blick aber als weitaus tiefgehendere Veränderung der Arbeitswelt. Über alle Altersklassen hinweg äußern Mehrheiten der Befragten ein grundlegendes Interesse an einem Wechsel des Berufsfeldes. Am stärksten ausgeprägt ist dieser Wunsch bei den unter 40-Jährigen mit Zustimmungswerten bis zu 87%. 

Dass es sich dabei nicht nur um leere Worte handelt, zeigt die Statistik der tatsächlichen Berufsfeld-Wechsel. Selbst in der Kohorte der Berufseinsteiger im Alter von 18-29 Jahren arbeiten nur etwa drei Viertel der Befragten auch in dem Bereich ihrer Ausbildung / ihres Studiums. Der Anteil derer, die ihr ursprünglich erlerntes Berufsfeld nie verlassen haben, sinkt mit steigendem Alter kontinuierlich ab bis zu einem Wert von 52% unter den 60+ Jährigen. Diese Entwicklung hin zu mehr Variabilität im Berufsleben ist also nicht neu und somit auch nicht nur in der Digitalisierung begründet, aber sie nimmt in einer digitalisierten Arbeitswelt neue Ausmaße an.

Auch benötigte Kompetenzen verändern sich

Mit der Arbeitswelt verändern sich auch die Anforderungen, die diese an die Arbeitnehmer stellt. Denn wenn das durchschnittliche Berufsleben nicht mehr so geradlinig verläuft wie früher, müssen auch Arbeitnehmer heute andere Fähigkeiten mitbringen als früher oder diese im Job neu erwerben. Ein Job, inklusive all seiner dazugehörigen Kompetenzen, sollte deshalb immer im Wandel verstanden werden.

Eine dynamische, komplexe Arbeitswelt erfordert Anpassung

Hinzu kommt, dass sich gänzlich neue Berufsfelder heute schneller entwickeln als je zuvor. So werden laut dem World Economic Forum’s Future Jobs Report fast zwei Drittel der heutigen Grundschüler später in Jobs arbeiten, die es heute noch gar nicht gibt. Und dies wird begleitet von der Weiter- oder Neuentwicklung geforderter Fähigkeiten. Was nach einer sehr langfristigen Entwicklung klingt, geht dabei in vielen Bereichen enorm schnell. Das World Economic Forum sagte beispielsweise in 2016 voraus, dass bereits in 2020 ein Drittel aller geforderten Kompetenzen aus damals irrelevanten Skills bestehen wird.

Dieser Realität aus schnellem Wandel und sich verändernden Ansprüchen sehen sich auch die befragten Arbeitnehmer gegenüber. Im Vergleich zwischen dem Berufsleben früher und heute stiegen die von den Befragten als wichtig wahrgenommenen Kompetenzen im Schnitt um 11%. Die 18 bis 29-Jährigen sehen sogar einen Zuwachs an geforderten Skills von 24%. Die Komplexität der Arbeitswelt nimmt also aus Arbeitnehmersicht zu und man muss heute mehr Kompetenzen besitzen, um in ihr bestehen zu können.

Mit der Komplexität und Variabilität der Arbeitswelt steigen aber nicht nur die Anforderungen, sondern auch die Möglichkeiten für Arbeitnehmer. Sie geben im Durchschnitt an, etwas mehr als zwei Job-relevante Kompetenzen erst im Beruf gelernt zu haben. Für Arbeitnehmer ist es also bereits selbstverständlich, sich in der schnelllebigen Arbeitswelt auch selbst dynamisch weiterzuentwickeln.

Altbewährtes und neue 21st Century Skills

Nicht nur die Anzahl, sondern auch der Inhalt der wichtigsten Kompetenzen im Berufsleben war Teil der Befragung. Fast alle abgefragten Kompetenzen wurden dabei für die Zukunft als wichtiger eingestuft als in der Vergangenheit. Die einzigen Ausnahmen: Fachwissen und Kundenorientierung. Die größten Zuwächse verzeichneten dabei Offenheit für Neues, Digitalkompetenz und Innovationsfähigkeit. Arbeitnehmer und Bewerber haben sich also bereits auf die Schnelllebigkeit und ständige Veränderung der Arbeitswelt eingestellt. Sie erachten genau solche Skills als besonders wertvoll, die sie anpassungsfähig und digital machen.

Unterm Strich zeigt dieses Ergebnis aber auch, dass 21st Century Skills mehr sind als nur Digitalkompetenz. Natürlich steht es außer Frage, dass die Bedeutung, einen Computer intuitiv bedienen zu können, enorm zugenommen hat. Und in der Tat sagen ganze 95% der Befragten, dass eine gewisse Digitalkompetenz heute unabdingbar ist. Aber es ist dabei ein Erfolgsfaktor und nicht der einzige oder wichtigste. Insgesamt zeigen die befragten Arbeitnehmer ein breites Spektrum wichtiger Skills aus, die neben der Digitalkompetenz vor allem aus den Bereichen Lernen & Innovation und Karriere- & Lebenskompetenzen stammen.

Viele Gewinner und ein paar Verlierer

Die Studienteilnehmer wurden auch befragt, weshalb sie sich einen Wechsel des Berufsfeldes vorstellen können. Der mit 60% meistgenannte Grund für den Wechselgedanken: “Veränderung gehört halt dazu”. Arbeitnehmer haben also wenig Sorge vor den geänderten Bedingungen des digitalisierten Arbeitsmarktes.

Weitere genannte Gründe für einen Berufsfeldwechsel sind neben finanziellen Beweggründen (39%) vor allem die Hoffnung auf einen Job mit anspruchsvolleren Aufgaben (23%) oder verlorener Gefallen an dem aktuellen Job (21%). Arbeitnehmer haben also selbst ein Interesse an Veränderung und profitieren so von der gestiegenen Variabilität des modernen Berufslebens.

Arbeitnehmer sind selbstbewusst

Die meisten Arbeitnehmer kommen gut mit den Veränderungen im Zuge des digitalen Wandels klar und bewegen sich selbstsicher in der digitalisierten Arbeitswelt. In der Studie wurden die Teilnehmer befragt, wie selbstbewusst sie den Anforderungen der Zukunft gegenüberstehen. Ohne signifikante Unterschiede zwischen Altersgruppen oder Geschlechtern sagten durchschnittlich 84% der Arbeitnehmer aus, die Kompetenzen mitzubringen, die sie in einer digitalisierten Arbeitswelt zu wertvollen Mitarbeitern machen.

Die Sorge ersetzt zu werden

Allerdings stehen auch nicht alle Befragten der Digitalisierung und den damit einhergehenden Veränderungen nur positiv gegenüber. Einige Arbeitnehmer fühlen sich von der schnellen Veränderung abgehängt. 5% der Befragten machen sich echte Sorgen und weitere 14% leichte Sorgen, dass ihr Job durch die Digitalisierung in Gefahr sein könnte.

Erfolgreiches 21st Century Recruiting in der Praxis

Es ist eindeutig, dass die digitalisierte Welt des 21. Jahrhunderts auch auf das Arbeitsleben einen starken Einfluss hat. Ein Beruf wird nicht mehr als Lebensaufgabe verstanden, sondern als eine von vielen Möglichkeiten. Und was ich gestern gelernt habe oder was mich heute im Beruf voranbringt, kann morgen schon wieder durch noch wichtigere Skills abgelöst werden. Unsere Studie zeigt, dass Arbeitnehmer weitgehend selbstbewusst mit der Komplexität umgehen und sich der Dynamik der digitalisierten Arbeitswelt angepasst haben. Um auf den modernen, digitalen Bewerber vorbereitet zu sein, muss sich nun auch die Personalauswahl an die neuen Anforderungen anpassen.

Kompetenzen versus Potenzialfaktoren

Eine grundlegende Unterscheidung, die in jeder Personalauswahl Beachtung finden sollte, ist die zwischen Kompetenzen und Skills: Kompetenzen bedeuten, dass man heute kompetent ist. Potenziale hingegen bedeuten, dass man heute und morgen kompetent ist. Insbesondere mit zunehmender Bedeutung der permanenten Veränderung sollten deshalb Potenzialfaktoren in den Fokus der Personalauswahl rücken.

Vor diesem Hintergrund ist es fahrlässig, sich in der Personalauswahl auf klassische Hard Skills zu fokussieren. Alles, was ohnehin im Job gelernt werden kann, sollte in der Gewichtung hinter die Potenzialfaktoren fallen, die einen nachhaltig erfolgreichen Mitarbeiter ausmachen. Offenheit für Neues, Lernmotivation oder Initiative sind gängige Beispiele solcher Potenzialfaktoren. Überlegen Sie sich für Ihre offenen Stellen gezielt, welche erfolgversprechenden Fähigkeiten zukünftige Mitarbeiter nicht on the job lernen können werden. Und genau auf diese Potenzialfaktoren sollten Sie im Recruiting achten.

Alle Ergebnisse der Studie als kostenloses Whitepaper

Wenn Sie noch mehr Ergebnisse über die Studie erfahren wollen und welche Lehren sich daraus für ein erfolgreiches Recruiting ziehen lassen, dann können Sie sich hier das gesamte Experten-Whitepaper zur Studie kostenlos herunterladen. Es enthält neben zahlreichen Details und Grafiken auch Expertentipps & Tricks für Ihr Recruiting.

Whitepaper herunterladen!

 

Oder interessieren Sie sich dafür, wie digitale Auswahlmethoden und ein moderner Methodenmix Ihr Recruiting optimal für die Anforderungen der digitalisierten Arbeitswelt rüsten kann? Dann buchen Sie sich gerne direkt ein Beratungsgespräch mit unseren Experten zu den Möglichkeiten des digitalen Recruitings für Ihre Personalauswahl.