Im Rahmen des Talent Management Gipfels 2017 diskutierten die führenden HR-Köpfe am 15. November in Berlin die Herausforderungen der Branche durch die Digitalisierung und schienen agile Unternehmenskultur als omnipotente Antwort gefunden zu haben. Warum Agilität so wertvoll ist und wie durch Working Out Loud ein System stark ausgebauter Netzwerke unter Mitarbeitern dieses abstrakte Ziel greifbar machen kann, ist Thema dieses Artikels.

Was eine agile Unternehmenskultur ausmacht

Wer sein Unternehmen erfolgreich in eine agile Organisation umwandeln möchte, der muss sich zunächst einmal darüber klar werden, was Agilität überhaupt bedeutet. Das Onpulson Wirtschaftslexikon definiert Agilität zum Beispiel als “die Fähigkeit einer Organisation, flexibel, aktiv, anpassungsfähig und mit Initiative in Zeiten des Wandels und Unsicherheit zu agieren”. Haufe geht noch einen Schritt weiter und nennt Agilität die “höchste Form der Anpassungsfähigkeit”. Es steht die Proaktivität im Vordergrund, die Agilität von Flexibilität abgrenzt. Anpassungsfähig und proaktiv zugleich sein. Das bedeutet im Grunde Probleme bewältigen bevor sie überhaupt entstehen.

Verantwortung aufteilen

Diese dynamische, ausgeprägte Lösungsorientierung funktioniert allerdings nicht mit einer starren Hierarchiestruktur. Aus diesem Grund ist es ein zentrales Merkmal agiler Unternehmen, dass man Verantwortung dezentralisiert. Das bedeutet die Verantwortung liegt nicht mehr alleine beim Management. Stattdessen teilen sich mehrere Schultern innerhalb des gesamten Arbeitsteams die gesamte Verantwortung. Mitarbeiter sollen sich entsprechend ihrer eigenen Stärken im richtigen Moment an der richtigen Stelle einbringen. So kann man vorhandenes Potenzial besser ausschöpfen. Auf diese Weise ist das Unternehmen empfänglicher für innovative Ideen. Dieses eigenverantwortliche Arbeiten muss man aber – damit es funktioniert – bewusst an die Mitarbeiter heranführen. Dass sich diese Mammutaufgabe lohnt, zeigt beispielsweise die Studie „Die Zukunft der Organisation“ der Boston Consulting Group (BCG). Agil arbeitende Unternehmen bescheinigt man hier eine bis zu 5 mal höhere Erfolgsrate.

HR und Netzwerke als Katalysator der Veränderung

Will ein Unternehmen agil werden, muss es das immer als Ganzes tun. Leitidee, Strukturen und Prozesse müssen verändert werden. Deshalb bedarf es der Mitarbeit in allen Fachbereichen, sowie der Führungsebene. HR kommt dabei eine ganz zentrale Rolle zu. Schlussendlich muss die Veränderung schließlich bei jedem einzelnen Mitarbeiter erfolgen. Dafür eine einheitliche Lösung zu finden, ist enorm schwierig. Menschen sind verschieden. Nicht jeder begrüßt es, wenn man permanente Eigeninitiative und -verantwortung von ihm erwartet. Es ist also von zentraler Bedeutung, die Mitarbeiter dafür zu begeistern, eigenverantwortlich zu arbeiten. Dann tragen sie die Transformation aktiv mit, anstatt sie zu behindern.
Und genau darin kann HR einen starken Beitrag zur Transformation des Unternehmens leisten. Allerdings ist Agilität keine Methode, die kurz erklärt und dann angewendet werden kann. Es ist eine tiefgehende Veränderung des Mindsets, der Unternehmenskultur. Diese gilt es zu verändern und das ist eine große Herausforderung. In der Praxis muss man noch die ideale Umsetzungsmöglichkeit dafür finden. Ein Ansatz, dessen Veränderungen nicht nur oberflächlich sind und der nicht zu theoretisch oder zu aufwändig ist, ist das Aufbauen von bedeutungsvollen Netzwerken um jeden Mitarbeiter.

Working Out Loud: Erfolgsfaktor vernetzter Mitarbeiter

Ein vernetzter Mitarbeiter hat mehr Zugriff zu Informationen, Wissen und Möglichkeiten. Er ist nicht abhängig von einem einzelnen Vorgesetzten, sondern wird zu eigenverantwortlichem Arbeiten und Kollaboration befähigt und ermutigt. So bildet er die kleinste Einheit des mobilen Unternehmens. Der vernetzte Mitarbeiter steht zudem im ständigen Austausch mit seinen Kollegen und fördert so die Verbreitung der agilen Denk- und Handlungsweise. Vor allem lässt sich diese Vernetzung aber konkret in Angriff nehmen und gibt damit dem abstrakten Wunsch nach Agilität eine greifbare Lösung. Die Methode des „Working Out Loud” (WOL) von John Stepper tut genau das und wird bereits in vielen großen Konzernen angewendet, eben weil sie eine einfach umzusetzende hands-on Lösung darstellt. Ausgangspunkt ist ein so genannter Working Out Loud Circle, in dem sich regelmäßig kleine Gruppen von Personen anhand folgender Leitfragen miteinander austauschen:

  1. Was möchte ich erreichen?
  2. Wer kann mir helfen, dieses Ziel zu erreichen?
  3. Wie kann ich anderen helfen, um unsere Beziehung zu vertiefen?

Wie Working Out Loud funktioniert

Über einen Zeitraum von 12 Wochen ist für diese Circle eine Stunde wöchentlich angedacht. Von Unternehmensseite muss hauptsächlich der Rahmen dafür gegeben und der Prozess in einem Workshop erklärt und nahegebracht werden. Ab dann treffen sich die Gruppen selbstständig und jeder Mitarbeiter baut, vor dem Hintergrund persönlicher Ziele, Beziehungen auf, die ihm bei der Erreichung der Ziele helfen können. Gleichzeitig hilft er anderen Gruppenmitgliedern bei der Erreichung ihrer Ziele. Wie genau diese Hilfe aussieht, ist völlig offen. Es kann ein nützlicher Kontakt sein, der vermittelt wird, das Teilen eigener Erfahrungen und Informationen oder auch einfach mutmachende Worte.
Hauptsache ist, dass der Austausch stattfindet, denn so bilden sich automatisch die Netzwerke, von denen auf verschiedenste Weise jedes Mitglied profitiert. Es entstehen gegenseitiges Vertrauen, Zugehörigkeits- und Kontrollgefühl und damit wird die Wahrscheinlichkeit zukünftiger Kooperationen und eigenverantwortlichen Arbeitens erhöht, wodurch letztlich auch die angestrebte agile Unternehmenskultur erreicht wird.

Weitere Informationen zu Working Out Loud

Wenn Sie sich intensiver mit dem Thema auseinandersetzen wollen, empfehlen wir folgende Links zu WOL und anderen interessanten Methoden, die sich mit der Umsetzung von Agilität beschäftigen:

TED Talk von John Stepper über WOL
Universe of Culture: Agile Unternehmenskultur spielerisch fördern
Design Thinking as a Strategy for Innovation
Agiles Personalmanagement – Mehr als nur Scrum?

Über viasto

Viasto ist der Markt- und Innovationsführer für Video-Recruiting Lösungen in der Personalauswahl. Die viasto interview suite, eine webbasierte Software-as-a-Service (SaaS) Lösung, ermöglicht Unternehmen, mit Hilfe von kompetenzbasierten Videointerviews die gesamte Personalauswahl effizienter, flexibler und zuverlässiger zu gestalten.Das Unternehmen wurde 2010 gegründet und hat seinen Sitz in Berlin. Zu den Kunden viastos zählen u.a. die Deutsche Telekom, Bertelsmann, die Stadtverwaltung Essen, MAN, die Europäische Zentralbank und die Würth Gruppe.