In den letzten beiden Beiträgen unserer Reihe zum Cultural Fit haben wir eine Begriffsbestimmung vorgestellt und Beispiele aufgezeigt, wie der Cultural Fit in Interviews erfasst werden kann. Zuletzt sollen aber auch Kritik am Konzept aufgegriffen und einige Grenzen aufzeigt werden.


Die fachliche Qualifikation darf nicht vergessen werden

Bei allen Vorzügen, die eine Passung von Unternehmens- und Bewerberwerten zu haben scheint, dürfen die fachlichen Anforderungen nicht vergessen und vernachlässigt werden. Kompensationseffekte sind hierbei nämlich sehr beschränkt. Ein praktisches Beispiel: Wir haben in einem Entwicklerteam ein neuer Mitarbeiter eingestellt, der zwar von seinen Werten, seiner Motivation und Lernbegierigkeit perfekt passen mag, es nützt aber nichts, wenn er die erforderlichen Programmiersprachen nicht beherrscht und es eher unwahrscheinlich ist, diese innerhalb kurzer Zeit zu erlernen.


Cultural Fit darf kein Deckmantel für eine verdeckte Diskriminierung sein

In der Onlineausgabe des Forbes Magazins erschien letztes Jahr ein sehr kritischer Artikel zum Thema Cultural Fit. Dieser ging darauf ein, dass Cultural Fit nicht als Deckmantel genommen werden darf um Bewerber zu bevorzugen, die uns möglichst ähnlich sind undanderen Bewerbern keine Chance mehr gegeben wird. Personalverantwortliche sollten daher immer kritisch hinterfragen wie weitreichend oder exklusiv ihre Definition davon sein darf, wer im Sinne eines Cultural Fits zum Unternehmen passt und woran dies festgemacht wird.


Klone im Geiste können die Kreativität hemmen

Ein weiterer Punkt der zum Nachdenken anregen sollte kommt aus dem Bereich der Kreativitäts- und Teamforschung. Hier konnten Studien zeigen, dass Teams teils bessere Ergebnisse erzielen, wenn neue Teammitglieder unterschiedliche Charaktere sind. Man stelle sich das so vor: Für ein Arbeitsteam wird ein neues Mitglied gesucht. Eingestellt wird der Bewerber, der den anderen Teammitgliedern am ähnlichsten ist. Dieser arbeitet sich sehr schnell ein, versteht sich mit allen anderen blendend und Meetings werden zu einer einzigen Konsenzveranstaltung: Jeder pflichtet dem anderen immer bei und unterstreicht, dass er genau das gleiche gedacht hätte und die Idee und das Herangehen daher absolut spitze findet. Werden so grundlegende Denkfehler entlarvt? Sicher nicht. Entstehen so neue Ideen? – eher unwahrscheinlich. Das Credo: Sollen neue und innovative Wege gefunden werden ist manchmal vielleicht ein bisschen weniger Cultural Fit etwas mehr an Kreativität.


Manchmal ist zuerst erst Kulturwandel nötig

Wer regelmäßig die Wirschaftsnachrichten verfolgt, dem wird nicht entgangen sein, dass in einigen Branchen ein „Kulturwandel“ gefordert wird. Grund hierfür war, dass eine bestimmte Unternehmenskultur dazu geführt hat Verfehlungen nicht nur zu dulden, sondern sogar durch die Kultur zu bestärken. In diesem Kontext wäre es natürlich fatal im Recruiting eine Passung zu einer Kultur anzustreben, die sich im Nachhinein als destruktiv und unternehmensschädlich erwiesen hat.


Warum Cultural Fit trotzdem ein sinnvolles Konzept ist

Nach den hier angeführten Punkten drängt sich natürlich zwangsläufig die Frage auf, ob es vielleicht doch gar keine so gute Idee ist, das Recruiting zu sehr auf eine Passung der Werte von Bewerbern und Unternehmen zu fokussieren? Die hier angeführten Grenzbedingungen sind allerdings kein Widerspruch zur allgemeinen Nützlichkeit. Zuersteinmal suchen auch Bewerber aktiv nach Unternehmen, die ihren Wertvorstellungen entsprechen und Arbeitgeber dies dann natürlich auch aktiv unterstützen. Vor allem aber konnten Studien insgesamt zeigen, dass Mitarbeiter mit einem hohen Fit zufriedener sind, sich im Unternehmen mehr engagieren und weniger Fluktuation zeigen, weil sie das Gefühl haben “hier richtig zu sein”. Und das alleine zeigt die enorme Bedeutung, die mit dem Cultural Fit verbunden ist. Es ist also äußerst wichtig, dass diese Diskussionen weiter geführt werden und sich Auswahlinstrumente und Recruiter weiter darin verbessern, diesen richtig zu erfassen.

Wenn Sie mehr darüber erfahren wollen, wie Sie Cultural Fit in Ihrer Personalauswahl gezielt einbinden, finden Sie hier 3 Tipps, zm den Cultural Fit Ihrer Bewerber zu beurteilen.