Im 1. Teil der Social Media Recruiting Studie der Universität Tübingen und des Leibniz-Instituts für Wissensmedien unter Leitung von Prof. Dr. Sonja Utz (Foto) und Susanne Kastka haben wir erfahren, dass Facebook und andere Social Media Kanäle für potenzielle Bewerber eigentlich keine Rolle bei der Vorbereitung ihrer Bewerbung spielen.

Im heutigen 2. Teil beschäftigen wir uns mit folgenden Fragen:

Beeinflussen Facebook-Karriereseiten die Einstellung potenzieller Bewerber – in diesem Falle von Studierenden und Hochschulabsolventen – zum Unternehmen? Und wenn ja, wie sehr?

Wie wichtig ist im Gegensatz dazu die Karriere-Webseite des Unternehmens in puncto Meinungsbildung und Bewerbungsbereitschaft? Die Studie liefert erstaunliche Ergebnisse…

Facebook-Karriereseiten vs. Karriere-Webseiten:

Mithilfe eines Online-Experiments wurden die Effekte von Facebook-Karriereseiten mit denen von unternehmenseigenen Karriere-Webseiten verglichen. Dazu wurden zwei Unternehmen aus der Maschinenbaubranche ausgewählt. Die 119 Teilnehmer des Experiments sollten sich vorstellen, dass sie auf Jobsuche sind, und surften dann frei – je nach Bedingung – auf der Karriere-Webseite bzw. der Facebook Karriere-Seite des jeweiligen Unternehmens. Folgende Dinge wurden für die Karriere-Webseite und die Facebook-Karriereseite erfasst:

  • Einstellung zur Website
  • Informationsgehalt
  • Authentizität
  • Seriosität
  • Sympathie der Seite
  • Einstellung zum Unternehmen als Unternehmensmarke
  • Intention zur Bewerbung

Hier die Ergebnisse in der Übersicht (Zum Vergrößern bitte auf die Graphik klicken)

2015-05-Facebook-vs-Karriere-Webseiten

Firmen-Karriereseiten als informativer und seriöser wahrgenommen

Es zeigte sich, dass die Karriere-Webseiten der Unternehmen von den Nutzern als informativer und seriöser wahrgenommen werden als die Facebook-Karriereseiten; insgesamt war die Einstellung zur Karriere-Webseite bei beiden Unternehmen positiver als die zur Facebook-Karriereseite. Erstaunlicherweise wurden die Facebook-Seiten trotz der direkteren Ansprache nicht als authentischer wahrgenommen. Das könnte daran liegen, dass Unternehmen auf ihren eigenen Websites mehr Gestaltungsmöglichkeiten zum Ausdruck ihrer corporate identity haben.

Es zeigte sich zudem, dass die Einstellung zur Facebook-Karriereseite weniger Einfluss darauf hat, wie ein Bewerber das Unternehmen wahrnimmt als die Firmen-Karriereseite.

Mit anderen Worten: Die Karriere-Webseite ist bei weitem wichtiger für die Meinungsbildung der Bewerber als Facebook. Daraus folgt, dass es sinnvoller wäre, für einen gelungenen Aufbau und Inhalt der Karriere-Webseite zu sorgen. Facebook dagegen könnte eher als Sprungbrett zur Webseite betrachtet werden.

Karriere-Webseite beeinflusst eher die Bereitschaft, sich zu bewerben

Bedeuten diese Ergebnisse, dass Unternehmen, aber auch Behörden oder Non-Profit Organisationen die Finger von sozialen Medien, insbesondere Facebook, lassen sollten? Nein. Sie zeigen jedoch deutlich, dass die Karriere-Webseite auf keinen Fall vernachlässigt werden sollte, da diese als seriöser wahrgenommen wird. Die Homepage ist die wichtigste online-Informationsquelle für Bewerber und wird positiver bewertet. Die positive Einstellung zur Karriere-Webseite wirkt sich auf die Einstellung zum Unternehmen und Intention zur Bewerbung aus!

Fazit: Soziale Medien bitte weiterhin nur als Ergänzung nutzen!

Von sozialen Medien können Unternehmen dann am meisten profitieren, wenn diese professionell betrieben und als ergänzender Recruitmentkanal in das Personalmarketing aufgenommen werden.

Die Plattformen Xing/LinkedIn und Twitter sind bei primär studentischen Bewerbern noch relativ unbekannt und sollten im Falle eines Einsatzes unbedingt beworben werden.

Facebook und YouTube werden zwar viel privat genutzt, allerdings wenig für Bewerbungsvorbereitungen. Unternehmen könnten aber auf der offiziellen Karriere-Webseite Links auf Facebook oder YouTube anbringen. So kann die Glaubwürdigkeit/Seriosität sozialer Medien gefördert werden. Auch besteht die Möglichkeit, auf Facebook einen Link zu einem Forum zu platzieren, welches die Möglichkeit bietet, anonym Fragen zu stellen. So müssen die potenziellen Bewerber ihr privates Facebook-Profil nicht offenbaren, können jedoch trotzdem mit dem Unternehmen und dessen Mitarbeitern in Kontakt treten.

Mit Dank an die Studierenden: Daniela Bauer, Petra Barth, Simone Berner, Lisa Marieke Binder, Elena Boysen, Jana Denkinger, Lisa Nassif, Moritz Maier, Katharina Naumann, Nadine Patrofsky, Carmen Stolze, Adina Wider, Zoi Xenoudaki.

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