Ein Bus voll mit IT-lern. Sie kommen, gucken und gehen wieder. Und einer oder zwei wird hoffentlich wieder kommen – und bleiben. So lautet der Plan. Diese Rede ist von Web on Wheels – einem Recruitingevent, bei dem sich Unternehmen der IT-Branche einer Schar von Bewerbern vorstellen. Verkehrte Welt, könnte man meinen. Und doch sehr sinnvoll, gerade in der vom Fachkräftemangel so gebeutelten IT-Branche. Das Konzept der Veranstaltung: Eine gehörige Prise Employer Branding, realistische Tätigkeitsvorschau und am Ende die Selbstselektion des ITlers, sich bei dieser oder jener Firma zu bewerben. Für eine Abschlussarbeit, ein Praktikum oder eine Festanstellung.

viasto war in diesem Jahr als einer der Arbeitgeber dabei und stellte sich den Fragen der neugierigen ITler. Bilder zum Event gibt’s auf unserer Facebook Seite.

… und auf einmal ist es der Bewerber, der auswählt

Zunächst einmal geht es aber hier um den Bewerber und seine Entscheidung, sich bei einem bestimmten Unternehmen zu bewerben. Unter dieser so genannten „Selbstselektion“ versteht der gewandte Personaler die Entscheidung eines Bewerbers für oder gegen eine Stelle, ein Unternehmen, ja eine ganze Branche. Im klassischen Sinne setzt diese schon vor dem eigentlichen Bewerbungsprozess an. Fällt die Selbstselektion „innerhalb“ des Bewerbers positiv aus, bewirbt sich dieser auf eine Stelle. Fällt Sie negativ aus, zieht es ein Bewerber nicht einmal in Betracht, sich auf eine Stelle zu bewerben. Somit erscheint er nicht
mal auf dem Radar der Personaler.

… und das bringt auch dem Unternehmen Vorteile

Diese Selbstselektion bügelt viele negative Folgen der mangelnden Passung von Bewerber und Unternehmen wieder aus. Die Risiken für Unternehmen, wenn sie Bewerber einstellen, die nicht wirklich ins Unternehmen passen, äußern sich z.B. im erhöhten Krankenstand des Mitarbeiters, geringerer Leistung und generell höherer Fluktuation. Im Gegensatz dazu zeigten wissenschaftliche Studien immer wieder: die wahrgenommene gute Passung zwischen Person und Unternehmen wirkt sich zum Beispiel deutlich positiv auf die spätere Berufsleistung aus (Bretz & Judge, 1994; Goodman & Svyantek, 1999; Ryan & Schmit, 1996; Vigoda, 2000).

All das verlieren Unternehmen, wenn sie statt eines passenden Bewerbers zwei unpassende Bewerber einstellen, etwa „weil diese halt gerade verfügbar waren“ und man den passenden Bewerber länger hätte suchen müssen. Finanziell rechnet es sich daher in jedem Falle, mehr Geld für den passenden Bewerber auszugeben. (Was kostet eigentlich eine Fehlbesetzung?)

Wie fördere ich die Selbstselektion der Bewerber?

Es lohnt sich also für Unternehmen, in die Selbstselektion zu investieren und diese zu fördern. Doch welche Möglichkeiten stehen Unternehmen da offen? Die wichtigsten zusammengetragen:

  • Offene und ehrliche Kommunikation auf allen Kanälen: Egal ob auf derKarrierewebseite oder auf Events wie Web on Wheels: Seien Sie ehrlich zu potentiellen Bewerbern. Kommunizieren Sie authentisch, was Ihr Unternehmen ausmacht . Hochglanz-Employer Branding- Videos sind nutzlos. Wenn Sie
    Hoffnungen auf ein innovatives, modernes Unternehmen wecken, Ihre Bewerber dann aber im zweiten Schritt mit uralten, verstaubten Recruitingprozessen
    konfrontieren, ist keinem geholfen.
  • Recruitainment: 10 Jahre ist es nun her, dass erste Recruitainment – Anwendungen (www.cyquest.net) auf dem HR-Markt zu finden waren. Recrutainment ist die spielerische Verknüpfung von Recruiting und Selbstselektion, bietet dem Bewerber eine (Online-)Plattform, um „sich selbst einmal auszutesten“. Dabei werden ihm Aufgaben gestellt, die dem Berufsalltag ähneln sollen. Ohne notwendigerweise in eine Test- und Leistungsumgebung zu kommen, kann der Bewerber so für sich herausfinden, ob die Berufswahl, das Unternehmen oder die Branche seinen Bedürfnissen entsprechen. Dass Recruitainment- Events nicht immer online stattfinden müssen, zeigt Web on Wheels sehr eindrücklich.
  • Realistische Tätigkeitsvorschau: Auch im operativen Recruiting ist es noch nicht „zu spät“ für die Selbstselektion. Mit der realistischen Tätigkeitsvorschau können Sie den Bewerber ganz individuell auf das vorbereiten, was ihn in Ihrem Unternehmen erwartet. Dadurch fördern Sie nicht nur die Selbstselektion des Bewerbers, sondern erkennen auch selbst, ob der Bewerber die Qualifikationen und Persönlichkeit besitzt, um in Ihrem Unternehmen, in Ihrer Fachabteilung eine dauerhaft gute Leistung zu erbringen – und das mit Motivation und Freude!

Die Zeichen standen und stehen also gut für Web on Wheels. Das Format kombiniert die diagnostischen Ansätze der Selbstselektion mit Employer Branding Funktionen – erfolgskritisch in Zeiten des IT-Fachkräftemangels!