Obwohl er fast durchweg für die Personalauswahl genutzt wird, hat er doch dramatische Auswirkungen auf die Fairness… Der Lebenslauf ist im Hinblick auf Chancengleichheit deutlich anfällig. Eine Studie zeigte: Kommt es bei einem Auswahlschritt auf den CV an, so erleben Bewerber mit türkischem Namen bei gleicher Qualifikation eine 10% geringere Wahrscheinlichkeit, zum Gespräch eingeladen zu werden als Kandidaten mit einem deutschen Namen (Kaas & Manger, 2012). Werden jedoch persönliche und leistungsbezogene Informationen über den Bewerber zugänglich gemacht (z.B. durch Referenzen), so verschwindet dieser Diskriminierungseffekt.

Mehr Fairness durch neue Methoden

Wie kann also der Anspruch an Fairness (und dadurch auch Diversity) in der Personalauswahl praktisch umgesetzt werden, wenn doch die herkömmlichen Methoden so anfällig sind? Eine Studie der Humboldt Universität fand heraus, dass die neuartige Methode der zeitversetzten Videointerviews (speziell unserer interview suite), Fairness in der Auswahl fördert. Die Studie können Sie hier downloaden.

“Kann man bei Bildern überhaupt objektiv bleiben?”

Wir hören oft: „Videointerviews – naja, aber da sind doch Bilder vom Kandidaten. Bilder beeinflussen uns doch erst recht! Wie kann das objektiv sein?“

Fakt ist, dass das Bild an sich nicht das Problem ist. Denn diesem begegnen wir ja immer wieder – spätestens im persönlichen Gespräch… Das Bild wird aber dann problematisch, wenn man ihm nicht standardisiert begegnet. Die Studie zeigt ganz klar: Wenn auf standardisierten Skalen bewertet wird, verfälscht das Bild die Bewertung des Bewerbers keineswegs! Weil über das Videobild hinaus in einem strukturierten Prozess eignungsrelevante Informationen zum Bewerber gezeigt werden. Diese bilden dann das notwendige Gegengewicht zu möglichen (auch unbewussten) Vorurteilen.

Schauen wir uns die Ergebnisse doch mal genauer an:

Ergebnis #1: Zeitversetzte Videointerviews fördern Diversity

Die HU Berlin fand beim Testen der interview suite heraus: Bewertungen werden nicht anhand von Aussehen oder Geschlecht getroffen, sondern aufgrund der Inhalte der Antworten, also der objektiven Leistung.

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Ergebnis #2: Bewerber mit Migrationshintergrund werden fair bewertet

Die Studie zeigt außerdem: Bewerber mit und ohne Migrationshintergrund werden nur auf Grundlage ihrer objektiven Leistung bewertet. Ein verzerrender Einfluss durch den Migrationshintergrund tritt nicht auf. Mit anderen Worten herrscht im Hinblick auf den Migrationshintergrund der Bewerber Chancengleichheit.

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Learning:

Zeitversetzte Videointerviews legen durch ihren Kompetenzbezug das Fundament für Chancengleichheit bei unterschiedlichen Bewerbergruppen.

Prof. Tuulia Ortner von der Universität Salzburg sagt dazu: “Es hat sich gezeigt, dass unter standardisierten Bedingungen die Qualität der Antworten den größten Einfluss auf die Bewertung der Antworten von gespielten Bewerbern hatte – nicht das Geschlecht oder ob die Person einen Migrationshintergrund hatte.”

Die Gefahr im Umkehrschluss ist dann natürlich, dass Ungleichbehandlung dann erfolgt, wenn Verfahren der Personalauswahl NICHT standardisiert sind…!

Die Studie „Fairness und Diversity im Recruiting“ können Sie hier kostenfrei herunterladen.

Die Studie: Dafür bewerteten insgesamt 208 Studienteilnehmer (durchschnittliches Alter: 32,87; 55% Studenten, 20% berufstätig in Voll- und Teilzeit sowie 25% Rentner/ Schüler/ Sonstige) anhand von Kompetenzskalen unterschiedliche Interviewantworten, die sie per Video ansahen. In den Antwortsequenzen sahen sie sowohl weibliche als auch männliche Bewerber mit und ohne Migrationshintergrund. Die Studienteilnehmer ließen sich in ihren Bewertungen nicht durch das Geschlecht oder den Migrationshintergrund der Bewerber beeinflussen. Die Videointerviews ermöglichten es, objektive und faire Entscheidungen zu treffen.